Thermometer
Wärmeregulation
Die menschliche Körpertemperatur wird von einem speziellen Regulationszentrum (Thermostat) gesteuert, das sich im Gehirn befindet. Die Körperwärme wird in Leber- , Muskel- und Fettgewebe gebildet. Der Körper gibt Wärme vor allem über die Haut ab (Strahlung, Verdunstung, Luftstrom) und nur zu einem unwesentlichen Teil über die Atemluft und die Ausscheidungen.
Bei kleinen Kindern ist die Wärmeregulation noch nicht vollständig ausgebildet. Deshalb reagieren Säuglinge und Kleinkinder rascher mit Fieber als größere Kinder und Erwachsene.
Verschiedene fiebererzeugende Substanzen von Infektionserregern (Bakterien, Viren) und Entzündungszellen (weiße Blutkörperchen) können das Temperatur-Regulationszentrum auf einen höheren Wert einstellen: Der Körper reagiert dann mit Muskelzittern oder Schüttelfrost, um die zusätzliche Wärme zu erzeugen.
Was sagt uns das Thermometer
Die Körpertemperatur gehört neben Puls, Blutdruck und Atmung zu den sogenannten Vitalzeichen (Lebenszeichen). Sie sind messbar und zeigen an, ob die lebenswichtigen Körperfunktionen korrekt ablaufen, ob der Mensch gesund ist. Sie sind also wichtige Hinweisgeber, wenn sich Körperfunktionen durch z.B. Krankheit verändern.
Die Körpertemperatur wird in °C gemessen. Abweichungen von der normalen Körpertemperatur und Begleitsymptome (-zeichen) zeigen Störungen im menschlichen Körper an. Der Pflegebedürftige mit Untertemperatur, erhöhter Temperatur, Fieber und Schüttelfrost bedarf der verantwortungsvollen Beobachtung, dokumentierten (aufgeschriebenen) Temperaturmessungen und der fürsorglichen Pflege.
Ärztlicher Rat ist bei Veränderungen der Vitalzeichen unbedingt einzuholen.
Normalwerte
Die Körpertemperatur schwankt normalerweise zwischen 36.5° und 38.0° Celsius (gemessen im Enddarm). Die Temperatur hängt vor allem ab von:
- körperlicher Anstrengung
- Aufregung (vor allem bei „sensiblen“ Kindern)
- Essen und Trinken
- Umgebungstemperatur (die Körpertemperatur steigt bei Sonneneinstrahlung, hoher Luftfeuchtigkeit, Windstille, überheizten Räumen sowie zu warmen Kleidern oder Bettzeug)
Fieber
Von eigentlichem Fieber sprechen wir bei einer Körpertemperatur von 38.5° und mehr, wenn wir sie im Enddarm oder Mund messen, bzw. 38.0° und mehr, wenn wir sie in der Achsel messen.
Akutes Fieber kann folgende Ursachen haben:
- Häufige Infektionskrankheiten (Mittelohrentzündung., Angina, Grippe mit Atemwegs- oder/und Magen-Darm-Symptomen)
- Seltene Infektionskrankheiten (Harnwegsinfekte, Kinderkrankheiten, z.B. Dreitagefieber, Röteln, Masern, Mumps, Windpocken, Scharlach), Hirnhaut-, Lungen-, Blinddarm- und andere Entzündungen)
- Zu hohe Umgebungstemperatur (starke Sonneneinstrahlung und heißes Klima, Überheizung der Wohnung, zu warme Kleider oder zu warmes Bettzeug)
- Austrocknung (sogenanntes Durstfieber, Brechdurchfall, Flüssigkeitsmangel)
- Seltene Fälle (Reaktion auf Impfung, Überempfindlichkeit (Allergie) auf Medikamente, Nahrungsmittel, Fieber im Zusammenhang mit Zahnen (normales Zahnen ist keine Fieberursache, Fieber kann jedoch die Zahnbildung „antreiben“)
- Sehr seltene Fälle (Drüsenkrankheit, z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Störung im Gehirn, z.B. Hirnentzündung)
- Bösartige Krankheit (z.B. Blut- oder Lymphknotenkrebs)
Sollte man Fieber behandeln?
Für eine Behandlung von Fieber sprechen folgende Gründe:
- Fieber belastet Stoffwechsel und Kreislauf
- Der Patient fühlt sich schlecht; sein Allgemeinzustand ist beeinträchtigt
- Fieberkrämpfe können vorkommen und belasten den Körper
- Fieber kann gewisse Krankheitsprozesse verstärken
Gegen eine Behandlung von Fieber kann es ebenfalls Gründe geben:
- Fieberbehandlung kann typische Krankheitssymptome verwischen
(erschwert die Diagnostik) - Fieber fördert gewisse Körperabwehrprozesse und bekämpft bestimmte Krankheitserreger
- Fieberkrämpfe können vorkommen und belasten den Körper
- Fieber kann gewisse Krankheitsprozesse verstärken
Wie sollte man Fieber behandeln?
In allen Fällen und unabhängig von der Höhe des Fiebers sind folgende Maßnahmen nützlich:
- Zimmertemperatur senken
- Heizung zurückstellen
- Regelmäßiges Lüften (aber weder Durchzug noch direkte Sonneneinstrahlung!)
- Leichte Kleidung (z.B. kurze Hosen und T-Shirt aus Baumwolle)
- Leichtes Bettzeug (kein Deckbett und keine Wolldecke, nur Leintuch)
- Mehr und regelmäßig trinken (Kräutertees, Trinklösung)
Wenn das Fieber andauert
Ventilator anstellen – aber nicht direkt ins Gesicht richten!
Kühlende Wickel: mit kühlem (nicht eiskaltem) Wasser oder Essigwasser getränkte Tücher um Waden und Oberschenkel wickeln (nur bei warmen Füßen!); dabei die Füße frei lassen. Wickel während 20 bis 30 Minuten wirken lassen.
Absteigendes Bad: Vollbad einlaufen lassen bei einer Wassertemperatur von 5° Celsius unter der gemessenen Körpertemperatur. Dann durch Zugabe von kaltem Wasser langsam um weitere 5° Celsius abkühlen. Dauer des Bads: 10 bis 20 Minuten.
Einsatz von Medikamenten
Falls das Fieber (rektal gemessen) 39.5° C oder mehr beträgt, sind Fiebermedikamente angezeigt – jetzt genügen abkühlende Maßnahmen alleine nicht mehr. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin entscheidet über die Art der notwendigen Medikamente (fiebersenkende, antibiotische usw.) sowie über Dosierung und Verabreichung.



